Oft gestellte Fragen und Antworten.
Warum benutzen Sie nicht einfach einen PC und eine Soundkarte zur Aufnahme?
PC's und die darauf installierten Betriebssysteme sind nicht für Musikaufnahmen ausgelegt und optimiert. Die kleinste Unterbrechung kann eine Aufnahme unbrauchbar machen. Der benötigte Datendurchsatz und Speicherplatz ist enorm. (>120 Megabyte pro Minute). Ich setze statt einem PC ein sogenanntes Harddisc Recording System der Fa. MACKIE Designs mit einer Festplatten-kapazität von 320 Gigabyte ein, das mir 24 Kanäle simultan mit 24 Bit Auflösung bei Abtastraten bis zu 96kHz bietet.
PC Soundkarten sind nur auf den günstigsten Preis (Geiz ist geil!) hin optimiert. In der Qualität sind sie was z.B. Rauschen oder Klirrfaktor angeht, für Ballerspiele sicherlich geeignet, jedoch genügen sie den Anforderungen einer hochwertigen Musikaufnahme nicht. Die in solchen Soundkarten eingesetzten Analog-Digital Konverter werden zwar mit Auflösungen bis 24 Bit beworben, in Realität sind aber von diesen 24 Bit höchstens 14-16 Bit nutzbar. Der Rest bleibt durch unzureichende (billige?) Schaltungsauslegung und suboptimales Filterdesign auf der Strecke.
Warum benutzen Sie vorrangig Mikrophone mit kleinen Membrandurchmessern?
Sie verfärben weniger insbesondere im Bereich außerhalb der Hauptachse - und sind dadurch neutraler und ausgewogener. Ein Großmembranmikrophon kann aber aufgrund seiner klanglichen Eigenschaften durchaus gezielt eingesetzt werden und hat daher auch seine Daseinsberechtigung.
Der nachfolgende Abschnitt Musik und Gefühle ist ein Teil aus dem gleichnamigen Vortrag von Jörg Wuttke (Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Schalltechnik Dr.-Ing.Schoeps GmbH - einem der weltweit renommiertesten Hersteller von hochwertigen Mikrofonen) anlässlich der Tonmeistertagung 1998:
Mikrofon und Gefühle
In unserer modernen Zeit gehören Mikrofone zu den wenigen Elementen des Studiobetriebs, die in den vergangenen Jahrzehnten nur wenig grundlegende Veränderungen erfahren haben. Manche alten Mikrofone sind sogar bis heute im Einsatz und werden hoch geschätzt. Wie traurig ist dagegen die Geschichte von Tonbandgeräten, Plattenspielern und anderem technischen Gerät. Dies alles soll Schrott sein und war doch einst so attraktiv? Insbesondere die schöne Mechanik alter Zeiten, zu denen man Technik noch anfassen konnte, ist nun fast überall durch vorzugsweise schwarze Kästen ersetzt, in deren Schlitze man etwas hineinsteckt, was dann eine Funktion auslöst oder manchmal auch nicht. Ist es da nicht verständlich, wenn Mikrofone ins Zentrum nostalgischer Gefühle rücken? Je älter, um so besser, lautet dabei die Devise. Dass dieses Gefühl leicht in eine Falle führt, erklären auch Insider, die sich ausgiebig mit alten Mikrofonen auseinander gesetzt haben. Nicht jedes alte Röhrenmikrofon ist ein gutes Mikrofon (und auch nicht jedes neue). Der Tonmeister muss die Realitäten der Physik mit der Gefühlswelt der Musik verbinden. Dies ist nicht einfach, weil Physik und Musik fast konträre Disziplinen sind. Während Physik objektiv und nüchtern ist, ist Musik ohne Emotionen unvorstellbar. Der Zwiespalt zwischen Physik und Emotion ergibt sich daraus, dass es auf rein physikalischer Grundlage nicht möglich ist, eine Aufnahme zu beurteilen. Die Frage, ob es die Attraktionen der Technik sind oder doch eher Liebe zur Musik, was einen Tonmeister bewegt, kann nur individuell beantwortet werden. Letztendlich ist es aber vorteilhaft, wenn gute Kenntnisse in beiden Bereichen vorliegen, denn die gekonnte Kombination macht stark. Dagegen führt eine unreflektierte Mischung aus Objektivem und Gefühlsmomenten in die Irre.
Gemischte Gefühle
Wohin es führt, wenn Technik und Gefühle nicht auseinander gehalten werden, führen uns Freaks vor, die aus ihrer Liebe zur high fidelity eine Religion mit allerlei Fetischen machen. Gestandenes Ingenieurwissen, ohne das es die Objekte der Begierden gar nicht gäbe, stört dann nur. Gezielte Entwicklungen werden durch Trends ersetzt, und an die Stelle von Wissen und Verstehen tritt Glaube und Aberglaube. In einer großen deutschen Hi-Fi Zeitschrift wurde z.B. über Netztverteilerleisten berichtet. Eine ganz besondere hat ein runde Bauform mit kreisförmiger Anordnung der Netz-Steckdosen. Der Tester kam schließlich zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass auch das Klangbild irgendwie rund wirke. So etwas ist selbstverständlich einen märchenhaften Preis wert, und daher soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass es ein Märchen gibt, das in keiner Audiobibliothek fehlen sollte. Es ist das Märchen: Des Kaisers neue Kleider. Es erfordert keine höhere Psychologie um zu verstehen, wie es möglich ist, dass vorgegebene oder erwartete Klangunterschiede Bestätigung finden, auch wenn sie tatsächlich nicht hörbar sind. Man stelle sich z.B. nur einmal vor, dass ein Tester keinen Unterschied hört! Er würde sich damit doch gegenüber jedem Kollegen disqualifizieren, der mutig von deutlichen Unterschieden berichtet, ob sie nun tatsächlich gegeben sind oder auch nicht. Auch der Käufer, der viel Geld ausgegeben hat, kann es sich in verschiedener Hinsicht nicht mehr leisten, sich mit der Wahrheit auseinander zu setzen.Hinzu kommt, dass die Wahrheitsfindung schwierig ist. Einfaches Hinhören ist umso ungeeigneter, je feiner die Qualitätsunterschiede sind. Wer ohne unmittelbaren Vergleich ein klangliches Ergebnis einem anderen gegenüberstellt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit Opfer seiner Erwartungshaltung. So genannte AB-Vergleiche sind kein sicheres Mittel, um herauszufinden, ob ein Produkt A oder B das bessere Ergebnis bringt, aber sie sind das einzige Verfahren, durch das überhaupt Unterschiede deutlich werden. Richtig durchgeführt, können AB-Tests Mythen entschleiern. Dazu folgen an späterer Stelle noch einige Erklärungen.
Heute, nach einem Zeitraum, der sogar juristisch fast alles verjähren lässt, bekennt der Autor einen Fall, bei dem er selbst zu den Opfern allgemeiner Erwartung gehörte: In einem Kreis interessierter Hörer stellte er die verbesserte Version eines Vorverstärkers vor. Alle Anwesenden waren vom Klang begeistert. Als sie gegangen waren, folgte ein Schreck: Bei der gesamten Vorfürung war ein bypass, der die neue Schaltung inaktivierte, in Betrieb gewesen!! Der ganze Unterschied bestand also aus ein paar Stückchen Draht, und die waren nicht oxigenfree! Auch einige Profis sind nicht frei von Erwartungshaltungen. So wird z.B. angenommen, dass die Röhre grundsätzlich eine Garantie für warmen Klang sei, völlig unabhängig von den Randbedingungen. Es kann folglich überhaupt keine schlecht klingenden Röhrengeräte gegeben haben. Dann wundert es schon fast nicht mehr, dass es tatsächlich den Liebhaber von Röhrenmikrofonen gibt, der die klangliche Wärme mit der physikalischen Wärme erklärt, gemessen in Grad Celsius oder vorzugsweise Fahrenheit. Dies kann als besonders gravierendes Beispiel dafür genannt werden, wie irreführed die unreflektierte Kombination von Gefühl und Technik sein kann. Jedem, der mit Ton zu tun hat, ist zu empfehlen, dass er beim Umgang mit technischen Geräten Physik und Emotion trennt.
Objektives und Subjektives
Technik ist objektiv. Im Bereich Newtonscher Physik sind Dinge richtig oder falsch und man hat gelernt, gegebene Aufgabestellungen gezielt zu lösen. Wenn es heute technische Entwicklungs-leistungen gibt, die früher undenkbar waren, liegt das vor allem daran, dass die zeitgemäße technische Arbeitsweise streng rational ist, im Gegensatz zu früherer Alchimie. Damit geht einher, dass neue Arbeiten auf den Erkenntnissen unserer Vorfahren aufbauen. Würde man diese außer Acht lassen, müsste man immer wieder von vorne anfangen und könnte nicht weiterkommen. Der Fortschritt ist stets eng mit der Wissenschaft verknüpft. Es stellt sich sogar die Frage, ob es Fortschritt ohne Wissenschaft überhaupt gibt. Man denke nur einmal an die großen Erfolge der modernen Medizin im Vergleich zu der Zeit davor.Die rationale Betrachtungsweise erschöpft sich andererseits rasch, wenn subjektive Komponenten an Bedeutung gewinnen, wie z.B. in der Kunst. Ob etwas als schön oder gut beurteilt wird, hängt hier vom Geschmack ab, und der unterliegt wiederum verschiedensten Einflüssen. Trotzdem gibt es zum Glück so etwas wie allgemeine Werte, aus denen sich in vielen Fällen ableiten lässt, was einer Mehrheit gefallen wird. So mag z.B. kaum jemand Musik- wiedergabe, der alle hohen Töne fehlen, aber schon bei der Frage, wie viel Klirrfaktor gut ist, scheiden sich die Geister. Zwar ist es unfein, Klirrfaktor zu fordern, aber Harmonische zweiter und eventuell auch dritter Ordnung werden oft gemocht. (Sie heißen ja auch Harmonische.) Eine besondere Stärke der subjektiven Beurteilung beruht darauf, dass unser Gehirn in Blitzesschnelle eine sehr große Zahl von Daten auswerten kann. Deshalb können wir z.B. gleich, nachdem wir einen Menschen sehen, sagen, ob er uns gefällt oder auch nicht. Natürlich ist auch dabei eine persönliche Filterung in Aktion, aber die Vorstellung, man müsste den gleichen Eindruck durch Messdaten vermitteln, scheint kaum realisierbar zu sein....
Soweit das Zitat von Hern Wuttke.
Warum nehmen Sie mit 24 Bit Auflösung auf, die CD benötigt doch nur 16 Bit?
Das analoge Signal von Mikrophonen wird im so genannten A/D (Analog-Digital) Konverter in ein digitales Signal umgewandelt.
Die 16 Bit der CD ergeben eine Amplitudenauflösung für das Musiksignal von 65.536 Stufen, 24 Bit jedoch eine von 16.777.216 Stufen. Der theoretische Dynamikumfang (Verhältnis Nutzsignal-Störsignal z.B. Rauschen) bei der CD beträgt 96 dB, bei einer 24 Bit Aufnahme jedoch 144 dB. Das menschliche Gehör löst ca. 120 dB auf.
(dB = Dezibel ist eine logarithmische Verhältniszahl, 20dB sind Faktor 10, 40dB sind Faktor 100 usw.)
Wahrend der Post-Production bleibt vielleicht dann doch das ein oder andere Bit 'auf der Strecke'
- z.B. durch Rundungsfehler bei der Berechnung so dass im jedem Fall sichergestellt wird, dass 'echte' 16 Bit auf der CD ankommen. Durch moderne Mastering Verfahren kann als gehörte Auflösung dann durchaus ca. 20 Bit erreicht werden.
Warum wird die endgültige CD nicht immer bereits während der Aufnahme erstellt ?
Bei Live Mitschnitten ist nur sehr selten die Möglichkeit gegeben, eine Aufnahme klanglich gut beurteilen zu können. Meist findet sich fast immer die 'Tonregie' in einem Nebenraum oder einer Abstellkammer wieder. Hier nun eine Aufnahme so zu beurteilen, wie sie im Studio mit bekannten Abhörbedingungen und entsprechend hochwertigen Lautsprechern beurteilt wird, ist einfach unmöglich. Dies gilt insbesondere für Aufnahmen die in Multimikrofonietechnik erstellt werden.
Wird fortgesetzt